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Fanta! Faaanta, Faaaantaaaa! Monika stürmt aufgeregt den Weg hinauf und verscheucht die schwarze Katze von der Straßenmitte. Seelenruhig trottet der Vierbeiner zur Seite und lässt uns die Einfahrt zum Gulen Dive Resort passieren.

Das ist noch mal gut gegangen! Wir falten uns aus unserem dicht bepackten Auto, strecken die Beine aus und atmen auf. Die Katze hat überlebt, und wir sind an unserem Ziel angekommen. Ohnehin wäre diese Straße bald zu Ende gewesen, und ein Wasserfall hätte uns Einhalt geboten. Wasser – überall Wasser! Es sprudelt aus den Felsspalten, überquert die Wege, rinnt durch die Wiesen und mündet schließlich in den Eidsfjord, der sich später mit dem Gulenfjord paart. Die Stille und Ruhe der umgebenden Landschaft reduziert die Geräusche auf das Plätschern und Gurgeln des Wassers.

Leise erobert eine fröhliche, muntere Melodie unsere Ohren. Wird sie sich zu lauten, imposanten Orchesterklängen steigern wie in Smetanas Sinfonie »Die Moldau«? Jäh werden diese Gedankengänge durch einen Aufschrei unterbrochen. Schon wieder Fanta. Guido, Divemaster, Techausbilder, gute Seele und begnadeter Waffelbäcker, begrüßt uns freundlich und übersieht dabei glatt unsere neue Freundin. Fanta kann gerade noch seinen robusten Lederstiefeln ausweichen. Auch Ørjan, Eigentümer des Gulen Resorts, gesellt sich zu uns und zeigt uns erst mal Unterkunft und Tauchbasis.

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Wracks – Relikte des Untergangs

Alles Weitere wird dann in der 200 Bar besprochen. Der gemütliche Pub, die einzige Kneipe im Umkreis von 20 Kilometern, könnte ein kleines Museum sein. Die Überbleibsel aus der Zeit als alter Poststation mischen sich mit zig Wrackfotos an der Wand. Daneben liegen, aufgestapelt zu einem Reliquienschrein, die Souvenirs einiger Tauchgäste. Ein Käppi aus Deutschland, ein T-Shirt mit bunten Signaturen – kreuz- und quergekritzelt, eine Badehose im Tarnfarbenlook. Geschichten des letzten Jahrhunderts und der zurückliegenden Monate treffen aufeinander.

»Dieser große Tisch zum Beispiel, an dem Ihr jetzt sitzt ...«, beginnt Ørjan zu erzählen, und spannend reiht sich eine Anekdote an die andere. Beim Bild des Frankenwaldwracks an der Wand beginnen seine Augen zu leuchten. Wracks – unweit des Resorts! Ørjan kennt sie alle und kann zu jedem Schiff die Geschichte vom Bau bis zum Untergang berichten. Das Schicksal der Parat und der Fernedale, gleich zwei Wracks an einem Tauchspot, ist besonders spannend.

Die Hintergründe über die weiteren 16 betauchbaren Schiffsrelikte folgen im Laufe der nächsten Tage. Die Bandak, die gleich zweimal gesunken ist. Die Oldenburg, die zwei Weltkriege erlebt hat, die Solvag II, die Havda und einige mehr. Ørjans Funken der Leidenschaft springen auf uns über. Wohlwissend, dass wir uns nur an die leicht betauchbaren Wracks wie die Solvag II oder vielleicht auch die Frankenwald wagen werden. Für den fortgeschrittenen und ambitionierten Taucher bietet sich hier in Norwegen im Atlantik ein weites Feld.

Derweil schnurrt Fanta genüsslich in ihrem Körbchen und blinzelt aus ihren Augenschlitzen zu dem großen Tisch hinüber. Ja – hier hockten schon viele Taucher aus aller Welt. Viele kommen auch immer wieder.

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Wikinger – lebendige Tradition

Nur wenige Häuser umgeben das Gulen Dive Resort. Dafür eine wunderschöne Landschaft, die zum Wandern einlädt. Die nächstgrößere Ortschaft Eivindvik ist in 20 Autominuten oder fünf Bootsminuten zu erreichen. Eine Alternative zum Tauchbetrieb ist ein Ausflug zum »Gulating Millenium Park«. Dieser Skulpturenpark erinnert an die jährliche parlamentarische Versammlung, die während des Mittelalters in Gulen stattfand. Hier wurden einst politische Themen besprochen, Gesetze erlassen und Urteile gefällt. Das Gulating wird auch als Norwegens »Wiege der Demokratie« bezeichnet. Das beeindruckende Säulenmonument ist Hauptbestandteil der Anlage und schon von weitem sichtbar. Diese Steinwarten waren früher ein Warnsystem. Bei Gefahr wurde in den Warten ein Feuer entzündet, das auf eine Bedrohung oder feindliche Schiffe aufmerksam machte.

Auch heute noch ist dieser Ort Versammlungsstätte und Kulisse für traditionelle Feste. Hier haben auch Monica und Ørjan ihre Vermählung im Wikingerstil gefeiert. Eine große Hochzeitsgesellschaft in bunter Wikingertracht ließ die Frischvermählten hoch- und alte Bräuche wieder aufleben.

Tote Mannshand – zum Greifen nah

Blauer Himmel, Sonnenschein – ein perfekter Tag für einen Bootstauchgang. Ørjan steuert das RIB (Rigid Inflatable Boat) zum Steg. Das Festrumpfschlauchboot ist schnell mit unserem Tauchgerödel beladen. Im Trockentauchanzug schwingen wir uns rittlings auf die Sitzböcke und klammern uns an den Haltebügeln fest. Behutsam beschleunigt Ørjan das Boot und die 2 x 225 PS starken Motoren bringen uns flott zum Ziel – dem Segelstein. Hier liegt das Doppelwrack der Fernedale und Parat. 1944 ist die Fernedale auf den Felsen Segelstein gelaufen. Als die kleinere Parat zu Hilfe kam, wurden beide Schiffe durch britische Bomber versenkt.

Trotz klarer Sicht schauen wir uns die beeindruckenden Wracks nur von oben an, da sie jenseits der erlaubten Tiefengrenze für Sporttaucher liegen. Doch auch aus der Vogelperspektive und mit Ørjans Geschichten im Kopf sind sie ein spannendes Erlebnis. Wir drehen ab und umrunden stattdessen den Segelstein. Felsüberhänge mit riesigen Anemonenfeldern erwarten uns dort. Große Kolonien von Seescheiden und Tote Mannshand wechseln sich ab. Zwischen den Kelpblättern kleben Seesterne in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Auch einige Krabben hocken auf dem Kelp und strecken gierig ihre Scheren in die Höhe.

Manche Tauchspots dürfen im Logbuch einfach nicht fehlen. So erkunden wir ein paar Tage später das Wrack der Frankenwald. Der imposant in die Höhe ragende Mast ist dicht mit Anemonen und Seescheiden dekoriert.

Auch Stingray City steht auf unserer To-do-Liste: Die Stachelrochen-Metropole ist nach gut 20 Minuten Bootsfahrt erreicht. Sowohl kleine Rochen als auch große Exemplare ruhen dort auf dem Meeresboden oder segeln elegant durchs Wasser. Eine tolle Szenerie! Und dann geht’s zur Trollwand. Schließlich sind wir in Norwegen – und was wäre das skandinavische Land ohne seine kleinen Wichtel, Trolle genannt. Mit ihrem faszinierenden Drop-off liegt die Wand in der Nachbarbucht des Gulen Resorts. Also nur ein Katzensprung. Fanta ist allerdings nicht mit dabei ...

Bei so viel Abwechslung ist ein Aufenthalt in Gulen immer zu schnell zu Ende. Nur einen kleinen Einblick konnten wir in die nordische »Pralinenschachtel« gewinnen. Etliche erlesene Divespots bleiben übrig. Deshalb beschließen wir, bald wiederzukommen und uns in den »Club der Wiederholungstäter« einzureihen. Fanta wird’s freuen. Und vielleicht haben wir dann ja auch das Glück, ein Nordlicht über dem Fjord zu sehen. So eins wie auf dem Foto an der Wand über dem großen Tisch in der 200 Bar. 

Reiseinfos

Gulen ist eine Kommune in der norwegischen Provinz Sogn og Fjordane. Sie grenzt im Osten an Høyanger und im Südosten an Masfjorden. Südlich des Fensfjordes liegen Lindås, Austrheim und Fedje, westlich von Sognesjøen ist Solund und nördlich des Sognefjordes befindet sich ­Hyllestad.

Tauchen: Zwei Einstiege befinden sich am Hausriff des Gylen Dykkesenter. Abwechslungsreiches, individuelles Tauchen ist ganzjährig möglich. Je nach Jahreszeit zeigen sich unterschiedliche Highlights. Die Ausfahrten erfolgen mit dem RIB Boot zu zahlreichen Tauchplätzen. Ein Trockentauchanzug ist ganzjährig eine gute Entscheidung. Ein Highlight sind auch die 16 Wrack-Tauchplätze – überwiegend für erfahrene Taucher. Im Logbuch stehen dann Frankenwald, Parat und Fernedale, Bandak, Havda, Oldenburg, Solvag II, Uller, Wilhelm, Hakan, Ingaseks, Siv, Macbeth, Silva, Ilse ­Fritsen, Bjaergfinn, Merkantie.

Specialties: Wracksafari, Nudibranch Safari, Periphylla Safari, teilweise in Zusammenarbeit mit Christian Skauge/Fluo Night Dives, www.scubapixel.com

Weitere Infos: visitnorway.com